Geschenk Nr. 6: Gnade

Wir alle haben aus der Fülle seines Reichtums Gnade und immer neu Gnade empfangen.

Gott schenkt dir tagtäglich Gnade. Wenn du dich schon etwas länger mit dem Glauben beschäftigst, dann kennst du vermutlich die folgende Definition: Gnade ist ein unverdientes Geschenk Gottes. Ehrlich gesagt habe ich jahrelang mit der Definition gestruggelt. Und auch wenn ich den Umfang nun besser verstehe, so vermute ich mittlerweile, dass ich hier auf Erden nie das ganze Ausmaß von Gottes Gnade erfassen werde.

Ein Grund, welcher bei mir zu Verständnisproblemen geführt hat, ist das Geschenk einmalig klingt. Aber in dem Vers in Johannes 1 lesen wir, dass wir aus der Fülle von Gottes Reichtum, Gnade und immer neu Gnade empfangen. Es ist kein einmaliges oder ein bemessendes Geschenk, welches man sich einteilen muss. Nein, es gibt kein Ende!

Gnade ist nicht nur ein unerschöpfliches Geschenk, sonder auch ein unverdientes. Das bedeutet, dass es nichts mit Dir zu tun hat. Du kannst nicht mehr machen, um dir mehr Gnade zu verdienen. Außerdem hat das Gnadengeschenk nichts mit dem Beschenkten und seinem Stand, seiner Leistung oder irgendwelchen anderen Attributen des Empfängers zu tun. Das Geschenk der Gnade bezieht sich auf den Schenkenden, der Gott selbst ist und durch Jesus Christus haben wir Zugang zu dieser Gnadenquelle. Aber was beinhaltet diese Quelle nun alles? Das Wort charis welches im Neuem Testament mit Gnade übersetzt wird, kann ebenso mit Gunst, Freundlichkeit, Annahme und Wohltat übersetzt werden. Das hebräische Pendant dazu ist hen und wird ebenfalls mit Gnade und Gunst, aber auch mit Zuneigung, Anmut oder Liebreiz übersetzt. Wenn man all die Übersetzungsmöglichkeiten sieht, wird einem bewusst, wie vielfältig Gnade sich in unserem Leben ausdrücken kann.

Einen weiteren wichtigen Aspekt, der zwar oben schon angedeutet wurde, möchte ich noch einmal verdeutlichen. Gnade hat nichts mit deiner Leistung oder sonst irgendwelchen Bemühungen deinerseits zu tun. Im Neuem Testament steht es im Gegensatz zu den Werken (erga). Die beiden schließen sich dann gegenseitig sogar aus, wenn es sich um Werke handelt, die getan werden, um vor Gott als gerecht angesehen zu werden.

Wie wichtig Gnade zu sein scheint, fällt auch auf, wenn man die neutestamentlichen Briefe liest, in fast allen wünscht der Schreiber dem Leser Gnade in der Begrüßung und im Abschied. Sie bildet sozusagen den Rahmen für das Leben als Nachfolger Jesu. Wieso ist das so? Dazu muss man verstehen, dass Gnade nichts Passives ist. Sie hat etwas Freisetzendes oder Befähigendes an sich. Die Gnade wirkt sich nicht nur einmal auf den reuigen Sünder aus und vergibt ihm. Sondern sie verändert und befähigt ihn dazu, das Leben zu leben, zu dem er bestimmt ist.

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