Geschenk Nr. 14: Gebet
Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!
Gott schenkt dir das Gebet. Und scheinbar war es damals schon ein kleines Mysterium, sonst hätten die Jünger nicht um eine Lehreinheit gebeten.
Ähnlich wie den Jüngern ging es mir auch eine Zeit lang. Ich sah verschiedene Leute beten und war teilweise ehrfürchtig erstaunt. Teilweise hielten sie minutenlange Monologe und sie schienen sogar Freude dabei zu haben. Der Unterschied zwischen mir und den Jüngern, ich habe nie nachgefragt. Denn irgendwie schien es so easy zu sein und ich wollte mich nicht outen. Denn mit fiel das Beten nicht immer leicht und es gab Zeiten, in denen ich nach meiner Gebetszeit verwirrter war als vorher. Denn mir gingen tausend Gedanken durch den Kopf, ob ich nun richtig gebetet hätte. War es zu kurz, zu lang, hätte ich besser laut beten sollen, hätte ich vorher lieber Lobpreis machen sollen oder doch mehr danken? Waren es die richtigen Formulierungen oder vielleicht wären mehr Bibelverse angebracht gewesen. Wen muss ich eigentlich bei welchem Anliegen ansprechen – Vater, Sohn oder doch den Heiligen Geist?
Es waren wirklich Tausende von Fragen und je mehr ich mich anstrengte, es richtig zu machen, desto schlimmer wurde es. Und da ich gefühlt auch keine Gebetserhörung aufweisen konnte, war das doch der Beweis, dass ich etwas falsch machte, oder?
Irgendwann habe ich dann aufgegeben und wollte nicht mehr beten. Aber ich hielt es für angebracht, Gott das auch mitzuteilen. Ich machte sozusagen Schluss mit ihm jedenfalls, was das Gebet anbelangte.
Und weißt du was, das fühlte sich richtig gut an! Denn dabei sagte ich ihm einfach alles und schüttete ihm mein ganzes Herz aus. All die Sachen, die ich vorher keinen Platz hatten, da ich sie nicht richtig artikulieren konnte.
Dann geschah es, Gott machte mir über einen längeren Zeitraum bewusst, dass es beim Gebet nicht um Leistung oder richtige Worte, eloquenter Ausdruck oder solche Attribute ginge. Denn er wüsste sowieso all die Dinge, die ich benötige (Matthäus 6,8). Gebet sei mehr als das runter rattern von Anliegen. Es sei das Reden mit ihm und so wie ich auch mit einem guten Freund reden würde.
Das war das Beispiel was mir die Freude am Gebet brachte.
Denn wenn ich mit meiner besten Freundin rede, muss ich nicht immer Worte nutzen, manchmal reicht ein Blick und sie wusste, was in mir vorgeht. Oder zu unserer WG-Zeit musste sie nur den Geruch von Kuchen wahrnehmen ohne das es einen Anlass gab und ihr war klar, dass ich frustriert war. Durch die jahrelange Freundschaft haben wir gelernt uns auf verschiedene Arten zu unterhalten. Diese Methoden verstehen andere Personen nicht, aber darum geht es nicht, solange wir uns tun.
Mittlerweile glaube ich, da Gott wusste wie es um die Beziehung mit meinem Papa bestellt war, hat er es mir anhand des Beispiels mit der Freundin erklärt.
Aber was hat das alles mit einem Geschenk zu tun?
Das Geschenk ist, dass es jemanden gibt, der wirklich an dir interessiert ist. Dem du alles zu jeder Tages- oder Nachtzeit anvertrauen kannst. Auch wenn Gott dich durch und durch kennt, dann darfst du ihm alles im Gebet bringen. Du brauchst nicht versuchen ihn mit den richtigen Worten zum Handeln zu animieren. Er möchte keine klugen Worte, er möchte dich, genauso wie du gerade bist. Denn so hat er dich geschaffen und deswegen musst du nicht erst wie jemand anderes werden.
