Geschenk Nr. 16: Abendmahl

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Gott schenkte uns das Abendmahl, aber wieso eigentlich? Je nachdem, aus welchem christlichen Background du kommst, desto anders mag dein Erlebnis des Abendmahls sein. Es gibt so viele unterschiedliche Liturgien, um das Abendmahl zu feiern und ich möchte hier nicht über die perfekte Art und Weise schreiben. Aber mir liegt es auf dem Herzen, über das Warum zu schreiben.

In den vier Versen im Korintherbrief nennt Paulus uns zwei Gründe, wieso wir das Abendmahl feiern sollen. Der erste ist die zweimalige Aufforderung, den Wein und das Brot in Erinnerung an Jesus zu nehmen.

Und wenn ich ehrlich sein darf mit euch, dann bin ich sehr vergesslich. Es gibt so viele Situationen in meinem Alltag, in denen ich wie auf Autopilot programmiert durch das Leben laufe. Und damit meine ich nicht nur die Dinge, die man halt machen muss. Es gibt genügend Momente in meinem Leben, in denen der Autopilot auch in meine Alltags-Liturgien Einzug gefunden hat. Ich versuche jeden Morgen in meinem Sessel zu sitzen und Stille-Zeit zu machen. Meist schreibe ich meine Gedanken in ein kleines Büchlein. Ursprünglich sollte dieses mehr ein Gebetstagebuch sein. Das habe ich mir überlegt gehabt, damit ich nicht nur da sitze und denke oder grübel, sondern mich aktiv mit dem, was in mir los ist, an Jesus wende. Aber so häufig ertappe ich mich dabei, wie ich auch hier ein Art Autopilot eingebaut habe, ich schreibe zwar rein, aber vor allem in der letzten Zeit ist es so, dass ich es mehr als ein To-do auf meiner Liste betrachte, die erledigt werden muss. Und mit dem Bibellesen ist es ähnlich, ich überlese mehr als das ich wirklich wahrnehme. Und es ärgert mich und macht mich selber traurig, denn schließlich haben wir die Adventszeit, in der wir uns an die Ankunft Jesu auf dieser Welt erinnern wollen. Und ich habe beschlossen, dass ich so nicht leben will. Ich möchte nicht, dass Jesus und ich wie ein altes Ehepaar werden, die sich vor lauter Routine nichts mehr zu sagen haben. Ich möchte mich erinnern an das, was er für mich getan hat. Und deswegen sitze ich hier und habe mir ein Anisplätzchen genommen und einen Becher Früchtetee. Und erinnere mich an das, was er für mich getan hat, indem ich das Abendmahl feiere. Ja, es ist komplett anders, als ich es aus meiner Gemeinde kenne. Und ich darf meinem Gedankenstrudel nicht viel Raum geben, sonst fängt er an, mich in die Tiefe zu reißen. Dann würde ich anfangen, mich zu fragen, was wohl andere darüber denken würden, wenn sie meine Art des Abendmahls in diesem Moment mitbekommen würden. Aber das ist egal, hier geht es nicht um die anderen – dieser Tisch ist gedeckt für Jesus und mich.

Und dieser Tisch erinnert mich an die andere Komponente – der Verkündigung. Aber wem sollte ich denn jetzt in diesem Moment verkündigen, dass Jesus für mich gestorben und auferstanden ist? Hat dieser Aspekt des Abendmahls nun aufgrund von dem fehlenden Publikum seine Aussage verloren? Vielleicht nicht in der natürlichen und sichtbaren Welt. Allerdings ist die sichtbare Welt nicht alles, es gibt noch eine geistliche Dimension. Diese Dimension können wir zwar nicht sehen, aber genauso wie wir den Wind nicht mit unseren Augen sehen können, sehen wir die Auswirkung dessen in der sichtbaren Welt! Genauso wie wir wissen, das es stürmt, wenn die Bäume sich neigen, genauso sehen wir den Tod und die Zerstörung, welche den Ursprung in einem  Kampf in der geistlichen Welt hat.

Und genau in dieser Dimension ist das Abendmahl ebenfalls eine Verkündigung des Sieges Jesu! Jedes Mal, wenn wir das Abendmahl feiern, dann erinnern wir den Feind damit, das er besiegt ist, denn Jesus hat uns durch seinen Tod und Auferstehung erlöst! Wir verkünden dadurch die Worte aus Jesaja:

Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn.“ Jesaja 53:4-6

Und ich glaube, dass es nie wichtiger war als in einer Zeit wie dieser, wo wir täglich mit Krankheit, Tod und Hass konfrontiert sind, Jesu Sieg zu verkünden.

Mit den normalen Augen mag es komisch aussehen, wie ich hier sitze und mein Plätzchen in zwei Hälften breche und einen Schluck Tee zu mir nehme. Und dann sind da noch mein hörbar ausgesprochenes Gebet, welches eher wie ein Selbstgespräch wirken könnte. Aber das ist egal, denn ich erinnere mich. Ich rufe mir ins Gedächtnis, all die Güte die Jesus entgegengebracht hat. Und das möchte ich verkündigen mir und der unsichtbaren Welt. Er hat all meine Schuld getragen und hat mich frei gemacht. Und das möchte ich nie vergessen.

Schreibe einen Kommentar