Was für eine Erkenntnis
Die Bedeutsamkeit von Grenzen
Ich habe letztens an einem Online-Seminar zum Thema Grenzen setzen bei der lieben Angela Kittner teilgenommen. Und es war wirklich so, so gut! Das Thema gute Grenzen setzen beschäftigt mich schon ewig. Und ich habe schon etliches zum Thema gelesen, aber glaub mir der Struggle war trotzdem da.
Natürlich gab es auch Phasen, in denen es einfacher war. Ich vermute, weil entweder das Umfeld einfach unproblematisch war oder weil man genügend Kraft hatte. Aber es gibt auch Phasen im Leben, in denen die Umstände einfach kompliziert sind und oder man in neue Umgebungen von Gott hineingestellt wird. Und es schwierig ist, seinen Platz in dem neuen Umfeld zu finden.
Falls du mich nicht kennst, musst du etwas über mich wissen, damit du die enorme Sprengkraft der Gedankenanstöße aus dem Seminar nachvollziehen kannst. Also let’s go:
Erstens, ich bin ein absoluter Freund von Harmonie und mag es überhaupt nicht, wenn es mal „kriselt“. Zweitens, ich bin speziell. Okay, in einem gewissen Sinne sind wir das alle. Aber ich komme mir häufig innerlich hin- und hergerissen vor, denn einerseits bin ich eine Person, die ein festes inneres Wertesystem hat. Das bedeutet, dass ich eigentlich ganz genau weiß, was ich mag und was nicht. Aber andersrum bin ich eine sehr anpassungsfähige Person. Klingt widersprüchlich, oder? Ist es auch und fühlt sich auch so an. Und bis zu dem Zeitpunkt als ich gemerkt habe, dass Gott keine Fehler macht, war ich innerlich wirklich wie zerrissen und dachte immer, dass ich verkehrt sei. Doch dann habe ich gelernt, beides als unabhängig voneinander existierende Stärken anzunehmen. Die ich wie Werkzeuge in einem Koffer trage, um je nach Herausforderung zu entscheiden, welches Tool ich benötige.
Aber seid einer längeren Zeit, war ich das ständige Wechseln der Werkzeuge quasi leid und habe nur noch in der Anpassung gelebt. Es war so als würde quasi permanent ein Programm in meinem Kopf ablaufen, welches sich fragt: Lohnt es sich in den „Konflikt“ zu gehen? Aber es nur noch die Antwort: Ist mir nicht wichtig, also kann ich mich anpassen, vorhanden war. Andere Optionen waren nicht mehr verfügbar. Und im ersten Moment fühlte es sich sogar richtig an, weil es harmonisch war. Aber ich habe eine wichtige Variable vergessen. Nämlich MICH! Ja, du hast richtig gelesen, ich habe mich vergessen. Denn jedes Mal, wenn ich mich aufgrund von Harmonie angepasst habe, habe ich mich zwar für den Wert Harmonie, aber gegen andere Werte von mir entschieden. Und das machte mich langfristig unzufrieden.
Und Angela hat mir so deutlich gemacht, dass genau dieses Verhalten aber zwei unschöne Dinge nach sich zieht.
Erstens, führt Unzufriedenheit zu einem sinkendem Selbstwert und zweitens, ist im Minderwert keine wahre Harmonie. Denn wirkliche Harmonie bedeutet alle Beteiligten, als gleich wertvoll zu erachten, aber leider habe ich mich nie dazu gerechnet.
Und das habe ich auch gespürt. Denn ich war immer häufiger unzufrieden, aber gleichzeitig fühlte ich mich nicht fähig, etwas dagegen zu tun. Denn ich wusste nicht einmal, was ich tun sollte. Nun weiß ich es – ich muss und darf Grenzen setzen.
Eine zweite Erkenntnis hatte ich, als Angela erklärte, dass Grenzen setzen etwas mit sich zeigen zu tun hat. Denn mir ist so bewusst geworden, dass ich durch die permanente Anpassung ganz viel von mir zurückgehalten habe. Und das ist traurig, denn ich bin davon überzeugt, dass Gott ein jeden von uns mit einer Bestimmung gemacht hat. Und wir dürfen ein Teil dazu beitragen, Gottes Reich zu bauen. Aber anstatt meinen Teil dazu beizutragen, habe ich mich zurückgenommen, „um des lieben Friedens willen“. Und das ist mit ein Grund (einer von mehreren) wieso ich in den letzten Monaten eine Schreibblockade hatte. Ich war einfach nicht fähig, mein Herzensprojekt, meinen Blog zu pflegen. Durch den fehlenden Selbstwert, habe ich auch immer weniger geglaubt, dass es in irgendeiner Art und Weise einen Sinn hat, mich hier mitzuteilen. Darf ich mal ganz ehrlich mit dir sein? Ich war so eingeschüchtert von der ganzen Internet- und Social Media Welt, von diesen vielen tollen Menschen, die dazu noch alles viel besser schaffen (jedenfalls scheinbar). Als ich diesen Blog gestartet habe, war meine Devise: Wenn es auch nur einer Person irgendwann einmal hilft, dann hat es sich gelohnt. Aber weil ich es unbedingt richtig machen wollte, habe ich versucht auf alle Tipps und jeden Insta-Coach zu hören und habe meinen Erfolg von Zahlen abhängig gemacht. Entweder Zahlen, die den Erfolg messbar machen oder Zahlen, die mir eine bestimmte Aufgabenliste vorgeben, die in meiner jetzigen Situation einfach utopisch erreichbar ist. Also war ich auch hier sehr unzufrieden. Und die Auswirkungen kenne ich ja jetzt.
Vielleicht fragst du dich jetzt auch: Anja, wie gehts denn jetzt weiter? Was machst du mit diesen Erkenntnissen? Das ist eine gute Frage und die kurze knappe Antwort wäre. Grenzen setzen, Ende gut, alles gut. Aber mir ist bewusst, dass ein Automatismus, den ich jahrelang perfektioniert habe, nicht in Sekunden abgestellt ist. Nach dem Abend bin ich mit Gott ins Gespräch gegangen. Ich habe ihm gedankt und ihn gebeten mir zu zeigen, wo ich anfangen soll mich zu zeigen. Und mir sind ein paar Bereiche bewusst geworden, in denen es wichtig ist. Außerdem hatte ich das Gefühl, mich in den unterschiedlichen Bereichen anderen Personen anzuvertrauen. Damit sie mich an mein Vorhaben erinnern können, wenn es mal wieder automatisiert in Richtung Harmonie läuft. Und nun heißt es step-by-step Grenzen setzen. Wird es einfach? Nein! In der ersten Woche fühlte es sich sogar eher mies an, aber ich weiß, dass es sich lohnt. Und wer weiß, vielleicht werde ich dann auch nach und nach wieder mehr Mut haben, meine Gedanken hier mitzuteilen.
Bis dahin hoffe ich, dass du mutig bist und dein Licht nicht unter den Scheffel stellst, denn Gott wollte dich so wie er dich gemacht hat und nicht wie er die anderen gemacht hat.
„Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet ja auch keine Öllampe an und stellt sie dann unter einen Eimer. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, sodass sie allen im Haus Licht gibt. Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Matthäus 5, 14–16 (NeÜ)
Ich wünsche dir ganz viel Segen dafür.
