Geschenk Nr. 7: Gaben
Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes:
Gott hat dich mit Gaben beschenkt. Und wenn ich dich jetzt ganz direkt fragen würde, mit welchen Gott dich geschenkt hat, wüsstest du dann eine Antwort? Oder würdest du dich als nicht besonders begabt beschreiben? In der Zeit, in der ich das geantwortet habe, da habe ich Gaben immer mit einem eher künstlerischen Talent verwechselt. Und so bin ich die Liste in meinem Kopf ungefähr wie folgt durchgegangen. Kunst – nein tut mir leid, meine Lehrer haben mir in der Grundschule schon die Schere weggenommen. Musizieren – ich? Nein, ich kann noch nicht im Takt klatschen. Tanz – ich bitte dich, ich bin ein Bewegungslegastheniker. Poesie – Ähm nein, ich hab in Deutsch immer eine schlechte Zensur gehabt. Erst in den letzten Jahren und durch wunderbare Freunde weiß ich, dass auch ich begabt bin. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich als Begründung meiner Nichtbegabung immer eine Art der Beurteilung anderer Menschen genutzt habe. Kennst du diese Denkweise? Wenn ja, dann lass mich dir eines sagen: Dieses Denken bringt dich nicht weiter, sondern schränkt dich ein. Anstatt dich auf die Dinge zu fokussieren, die dir nicht einfach fallen, versuche doch einmal auf Sachen zu achten, die dir leicht von der Hand gehen.
Heute weiß ich, dass auch Menschen mit Talent dazu lernen und üben müssen. Zwar erleichtert die Begabung den Prozess des Übens, da sie eventuell schneller Erfolge sehen. Aber auch talentierte Menschen müssen sich aufraffen und den Schweinehund überlisten. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass es einfacher ist, die eigenen Stärken weiterzuentwickeln. Anstatt viel Zeit und Kraft in den Ausbau von Schwächen zu investieren.
Die oben genannte Denkweise geht häufig auch mit dem Vergleichen einher. Ich habe mich immer verglichen und wie es dabei meistens der Fall ist, gibt es die Möglichkeit, besser oder schlechter zu sein. Und wenn du nicht mit einem riesigen Selbstvertrauen auf die Welt gekommen bist, dann schneidest du meistens schlecht in Vergleichen ab. So ging und geht es mir jedenfalls immer.
Aber lasst uns mal wieder in den Vers aus dem ersten Petrusbrief schauen.
Früher hätte ich dort immer hineininterpretiert, dass Gott einigen ganz bestimmte Menschen begabt hat. Aber da steht das jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, dem anderen dienen soll. Jeder, also auch ich und du. Und zwar nicht einfach so, sondern aus einem bestimmten Grund – dem Dienst. Und es ist total logisch, dass wir nicht alles Sänger, Künstler oder Poeten sind. Denn sonst wäre unser Dienst sehr eintönig. Je mehr ich mich mit dem Thema Gaben beschäftigt habe, desto häufiger ist mir aufgefallen, dass es die Dinge sind, die mir besonders leicht fallen. Aber von denen ich immer angenommen habe, dass das jedem so geht. Lass mir dir ein Beispiel geben. Erst vor ein paar Wochen ist mir durch die Zusammenarbeit mit jemanden aufgefallen, dass ich sehr pragmatisch bin. Wir mussten für ein Konzert in unserer Gemeinde Stühle Corona-konform stellen und uns eine Sitzordnung überlegen. Und anstatt lange zu grübeln, hab ich einfach angefangen zuzuordnen. Für mich war das nichts Besonderes, aber für die andere Person schon. Denn am nächsten Tag kam er auf mich zu und hat sich für die Hilfe bedankt und gesagt, dass er von dem pragmatischen Handeln sich eine Scheibe abschneiden könnte. Für mich war es nichts Besonderes, aber ihm konnte ich damit helfen. Bin ich deswegen besser als er? Nein – eindeutig nicht! Ich bin nur anders gut. Denn wenn ich mich im Vergleich mit ihm stelle, wenn es um den Gesang oder die Klavierkünste geht, dann schneide ich eindeutig unterirdisch schlecht ab.
Und genauso wie ich anders gut bin, so bist auch du anders gut. Vielleicht magst du jetzt denken, das ist ja schön und gut, aber ich weiß immer noch nicht, was ich für Gaben habe. Ja, vermutlich stimmt es, aber um ehrlich zu sein, kann ich dir diese Frage nicht beantworten. Aber ich habe eine Idee: Frag den Geber dieser Gaben, welche er dir gegeben hat. Und ich bin mir sicher, dass er dir antworten wird. Vermutlich wird keine Liste mit deinen Top 10 Begabungen vom Himmel fallen. Aber er wird dir antworten, möglicherweise so wie bei mir, unverhofft durch jemand anderes. Oder vielleicht erinnerst du dich auch plötzlich an bestimmte Dinge, die dir beispielsweise deine Eltern, Großeltern, Freunde oder Lehrer gesagt haben. Egal wie dein himmlischer Papa antworten wird, sei offen für sein Reden. Und wenn ich dir noch einen Tipp geben darf, dann schreib es dir auf. Und bleib mit deinem himmlischen Papa darüber im Gespräch, denn er hat dich nicht ohne Grund damit begabt, er möchte, dass du ihm und deinen Mitmenschen damit dienst. Ich werde ihn auf jeden Fall fragen, wo er möchte, dass ich meine pragmatische Art einsetzen soll.
