Geschenk Nr. 4: Weisheit

Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.

Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit gibt es kein besseres Geschenk als Weisheit. Denn bei der Flut an Informationen und der Möglichkeiten, die man machen kann, soll oder müsste, kann man schnell den Überblick verlieren. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem man ein wenig nostalgisch zurückschaut und denkt: Ach, früher war doch alles einfacher. Als Kind dachte ich noch, wenn ich all die Bücher lesen würde, die meine kleine Stadtteilbücherei im Sortiment hatte, das ich dann alles wissen würde. Und ehrlich gesagt war das damals ein schönes Gefühl. Denn es hatte etwas Berechenbares und Kontrollierbares an sich. Heute, ca. 30 Jahre später weiß ich, dass das Leben leider alles andere als berechenbar und kontrollierbar ist. Tagtäglich passieren Dinge in meiner kleinen und in der ganzen Welt, die ich so nicht erwartet hätte, die mich ärgern, ängstigen, verwirren und ratlos zurücklassen.

Umso dankbarer bin ich für das Geschenk der Weisheit. Aber ich musste es erst lernen, danach zu fragen und es anzunehmen. Denn um Weisheit zu bitten, bedeutet gleichzeitig, sich und seinem Gegenüber seine Unzulänglichkeit einzugestehen. Und das ist hart und mir flüstert dann immer eine Stimme anklagende und beschämende Gedanken ins Ohr.

Aber so ist Gott nicht, er verspricht uns, dass er uns keinen Vorwurf machen wird. Er gibt uns gerne Weisheit. Er ist unser liebender himmlischer Papa. Und ihm macht es auch nichts aus uns tausendfach einen Rat zu geben. Wenn ich merke, dass ich mal wieder in Scham zurückgehalten werde, dann stelle ich mir ganz bewusst vor, wie ein Papa mit seinem Kind umgeht. Kleinkinder sind noch nicht von Scham in imaginäre Schranken verwiesen worden. Sie sind mutig und fragen ihren Eltern Löcher in den Bauch. Und was machen diese in der Regel? Richtig, sie antworten auf jede noch so kleine Frage. Okay, manchmal rollen sie mit den Augen, aber meistens ist ein Schmunzeln auf ihren Lippen. Und wenn schon Eltern gut sind, wie viel mehr nicht unser himmlischer Vater (vgl. Matthäus 7,11).

Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist es mutig um Weisheit zu bitten. Denn es geht hier schließlich nicht um irgendwas, sondern um die ziemlich einschüchternde Aufgabe sein Leben zu meistern. Lasst uns deswegen tagtäglich mutig wie die Kleinkinder sein und unseren allgewärtigen, allmächtigen und allwissenden Papa im Himmel um Weisheit bitten.

Und falls dir nun der Gedanke kommt, dass du dir unsicher bist ob du ihn hörst, dann lass mich dir diese Sorge nehmen. Eltern wissen wie sie mit ihren Kindern reden müssen, damit diese sie verstehen. Oder wenn dir das nicht reicht, dann lies im Johannesevangelium. Dort verspricht dir Jesus im Kapitel 10, Vers 27, dass er als guter Hirte seine Schafe kennt, dass sie seine Stimme hören und ihm nachfolgen werden. Und ist das nicht sowieso unser Wunsch?

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