Wie bin ich denn hier gelandet?

Gedanken zum 1. Advent – Ausrichten

So, los geht’s – lasst uns im Advent ankommen.

Der heutige Sonntag steht unter dem Wort Ausrichten. Denn bevor wir irgendwo ankommen können müssen wir erst einmal das Ziel festlegen, denn sonst passiert uns das, was ich die vergangenen Wochen getan habe – vieles aber mit wenig Erfolg. Die Idee, diesen Text zu schreiben, war zwar schon vor ungefähr 10 Tagen da. Aber nun haben wir ein paar Tage vor dem ersten Advent und mein Kalender für die Woche ist schon ganz schön gefüllt. Und ich merke, dass so ein diffuses Gefühl welches zwischen Entmutigung „Ach, das lohnt jetzt doch nicht mehr“ und Motivation „Okay, Totensonntag ist vorüber und jetzt kann Weihnachten kommen“ abspielt.

Wie geht es dir mit der Idee im Advent anzukommen?
Da du diesen Text erst am ersten Advent zu lesen bekommst, könnte es sein, dass das Gefühl von Entmutigung völlig überwiegt. Vielleicht denkst du: Ach, nun ist Advent – bringt doch eh nichts mehr. Oder: Ich bin froh, wenn ich es schaffe, dass bis Heiligabend, irgendwie die nötigsten Dinge erledigt sind.

Eines meiner größten Probleme ist, dass ich häufig eine bestimmte Vorstellung oder Wünsche habe, wie etwas zu laufen hat. Aber da ich nun mal ein Mensch bin, geschehen ungeplante Dinge und das Alltagschaos ist so manches Mal perfekt.

Wenn es um Weihnachten geht, dann würde ich so gerne mal eine ähnliche Erfahrung wie die Hirten in Lukas 2 machen.

„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld, die bewachten ihre Herde in der Nacht. Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt, in der Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Herrlichkeit [ist] bei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, [und] unter den Menschen [Gottes] Wohlgefallen!“
‭‭Lukas‬ ‭2‬:‭8‬-‭14‬ ‭SCH2000‬‬ 

Die Hirten gingen ihrer alltäglichen Arbeit nach und plötzlich ist dort ein Engel des Herrn und die sichtbare Herrlichkeit des Herrn. Wow, was für ein Auftakt. Die Hirten reagieren, bei dem steilen Auftakt natürlich mit Furcht, aber der Engel spricht ihnen Mut zu und verkündigt ihnen die freudige Nachricht – der Retter ist geboren, welcher Christus, der Herr ist. Weil die Situation außerordentlich ist, verrät ihnen der Engel auch noch das Zeichen zur Bestätigung, bevor der himmlische Engelschor den Lobpreis anstimmt.

Und während ich das lese, denke ich – wenn mir so etwas passieren würde, dann würde ich genau wie die Hirten reagieren:

„Und es geschah, als die Engel von ihnen weg in den Himmel zurückgekehrt waren, da sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns doch bis nach Bethlehem gehen und die Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns verkündet hat! Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend.“ ‭‭Lukas‬ ‭2‬:‭15‬-‭16‬ ‭SCH2000‬‬ 

Dann würde es mir leicht fallen Raum zu schaffen in meinem Alltag und bei Jesus im Advent ankommen. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass so ein Geschehen auch heute noch möglich wäre, sieht die Realität eher anders aus.

Denn wir alle wissen, dass es manchmal anders kommt als erwartet. Und man vielleicht Umwege gehen muss, um dort anzukommen, wo man hin wollte.

Aber ist dir bewusst, dass auch wir dort in bester Gesellschaft sind? Denn im Matthäusevangelium begegnen wir anderen Personen und ihr Weg nach Bethlehem sieht eher kurvig aus. Ihre Geschichte liest sich wie ein Krimi, mit Umwegen, Intrigen und dennoch einem guten Ende. Deswegen lasst uns mal in die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland abtauchen und schauen, ob sie uns hilft etwas besser im Advent anzukommen.

„Als nun Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten!“ ‭‭Matthäus‬ ‭2‬:‭1‬-‭2‬ ‭SCH2000‬‬ 

Wie geht es dir, wenn du den Abschnitt liest? Ich spüre Verbundenheit, denn auch ich habe die Zeichen in Form von geschmückten Fenstern, Bahnhöfen und Supermarktregalen voll mit Leckereien wahrgenommen. Auch ich wollte meinem König begegnen und ihn anbeten. Aber auch ich stellte mir irgendwann im alltäglichen Chaos die Frage:

Wo ist der König?

Ich bin, wie die drei Gefährten drauf losgelaufen und ganz woanders gelandet, wo ich eigentlich gar nicht hinwollte.

Ich habe mal gehört, dass wenn man auf der Flugstrecke von Deutschland nach Amerika nur ein Grad vom Kurs abweicht, man in einem komplett anderen Land landet. Und das ist schon krass, denn ein Grad ist echt nicht viel.

Aber das trügerische ist, dass je größer die Entfernung ist, desto größer die Abweichung.

Deswegen möchte ich dir und mir an dieser Stelle mal eine Frage stellen. Ich gebe es zu, das es nicht die bequemste Frage ist. Und ich möchte wirklich nicht, dass du diese jetzt mit dem vom mir erhobenen Zeigefinger und bösem Blick liest. Du musst deine Antwort auch niemanden verraten. Aber sie ist wichtig. Denn, wenn wir uns nun auf den Weg machen wollen und bei Jesus ankommen wollen, dann bedarf es als Erstes eine Standortbestimmung. Denn sonst landen wir überall nur nicht an unserm Wunschziel.

Also hier meine Frage an dich und mich:

Wie nah bist du gerade an Jesus dran?

Und ich möchte ehrlich zu dir sein, mein Kopf ist in den letzten Monaten mit vielem gefüllt gewesen. Durch schwierige Umstände in meiner Familie und dem Versuch alles trotz geänderter Umstände unter einen Hut zu bekommen, war ich nicht so nah an Jesus dran, wie es gerne gewollt hätte oder gebraucht habe. Rückblickend erinnere ich mich an viele kleine Momente, in denen ich die falschen Prioritäten gesetzt habe. Immer wieder waren es diese Momente, in denen ich mehr versucht habe zu schaffen und dafür an meiner Zeit mit Gott eingespart habe.

Und je häufiger das passierte, desto leichter war es, dass Ängste, Zweifel und Sorgen die Überhand gewannen.

Kennst du diese Momente, wo du denkst: „Jesus, tut mir leid, heute hab ich nur kurz Zeit für dich? Morgen dafür mehr!“

Aber der morgige Tag, hat auch wieder viel für dich parat und so wandert das versprochene Mehr zum nächsten Morgen. Und ehe du dich versiehst, bist du überall nur nicht da wo du sein möchtest?

Falls es dir so geht wie mir, dann haben wir noch eine Gemeinsamkeit mit den Weisen, wir sind ebenfalls bei dem falschen König angekommen. Und so falsche Könige haben ein Problem, sie nehmen dich für ihren Zweck ein und belügen dich. Im ersten Moment mögen diese Sachen ja ganz gut klingen, genau wie bei König Herodes.

„Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit, wann der Stern erschienen war; und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kind. Und wenn ihr es gefunden habt, so lasst es mich wissen, damit auch ich komme und es anbete!“
‭‭Matthäus‬ ‭2‬:‭7‬-‭8‬ ‭SCH2000‬‬ 

Aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Und tief in dir merkst du, dass das nicht das Richtige ist. Und jetzt? Vielleicht geht es dir wie mir und du hast festgestellt, dass du vor dem falschen Thron gelandet bist. Dann gratuliere ich dir! Denn wenn du das festgestellt hast, dann bist du quasi schon auf dem richtigen Weg. Denn es gibt ein biblisches Prinzip, welches genau für solche Zielverfehlungen gedacht ist: Buße.

Und ich weiß, dass Buße heutzutage quasi ein Imageproblem hat. Es scheint in unserer Zeit nicht mehr hereinzupassen. Aber Buße ist ein wunderbares Geschenk Gottes an uns. Denn es bedeutet Umkehr und beginnt eigentlich beim Umdenken. Und wenn du dich nun vor dem falschen König wiedergefunden hast, dann hat dieser Prozess schon begonnen.

Vielleicht magst du dich ja mal fragen, was du in der letzten Zeit so gedacht hast. Worüber hast du dir einen Kopf gemacht? Und welche Überzeugungen sind vielleicht daraus entstanden? Auch wenn diese Frage zugegebenermaßen nicht die Netteste ist, hat sie mir geholfen. Übrigens ein gutes Indiz um Überzeugungen in hilfreich und weniger hilfreich einzuordnen, ist die Frage:

Bringt mich dieser Gedanke oder diese Überzeugung näher zu Jesus?

Denn die Impulse des Heiligen Geistes werden uns immer näher zu Gott bringen, anstatt uns von ihm zu entfernen! Und das nicht mit so Bedingungen, wie der König Herodes nutzte.

König Herodes sah, seine Macht in Gefahr und wollte die Weisen als Spione aussenden, mit der Bedingung, dass sie wieder kommen sollten. Denn falsche Könige, oder um einen anderen biblischen Terminus zu gebrauchen: Götzen, wollen dich und mich an sich binden. Denn sie leben von deiner und meiner Aufmerksamkeit.

Okay und jetzt? Stecken wir nun total in der Misere fest und es gibt keinen Ausweg? Nein, denn wir haben im Gegensatz zu den Weisen einen entscheiden Vorteil: Jesus ist immer nur ein Gebet entfernt.

Deswegen nimm dir jetzt einen Moment Zeit und fang an zu beten. Und ich meine wirklich Jetzt, in diesem Moment. Du brauchst dafür kein bestimmtes Ambiente oder musst auch nicht erst etwas wiedergutmachen um zu Jesus beten zu können.

Bring ihm die Dinge und bitte ihn die Überzeugungen durch hilfreiche Gedanken zu ersetzen. Nimm dir dafür Zeit und versuche bildlich gesprochen Jesus nicht nur die falschen Dinge vor die Füße zu schmeißen und dann wieder wegzulaufen. Nimm dir auch einen Moment und hör ihm zu.

Falls du nun denkst: Oh super, dann bin ich ja schon bei Jesus im Advent angekommen. Dann muss ich dir recht geben. Wir müssen keine tagelangen Märsche auf uns nehmen. Durch Jesus Tod und Auferstehung haben wir jederzeit Zugang im Hier und Jetzt.

Aber wenn es dir so geht wie mir und du dir folgende Frage stellst:

War es das oder gibt es da noch mehr?

Dann freue ich mich, wenn du nächste Woche wieder vorbeischaust.

Ich wünsche dir eine wundervolle Woche und einen gesegneten 1. Advent.

Deine Anja

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